Unsere Tante Wilhelmine sorgte ihr ganzes Leben für die Balance in der Familie Dechert zwischen Unternehmen und Privatem. Sie kümmerte sich bereits als junges Mädchen um ihre beiden Brüder Dieter und Günter. Nur durch ihre Hilfe konnten sich unsere Großeltern auf den Aufbau des Unternehmens fokussieren.
Im Laufe unserer Firmengeschichte war Wilhelmine in allen Bereichen unseres Unternehmens tätig. Wo Hilfe gebraucht wurde stand sie immer zur Verfügung. Dadurch verfügte sie über ein unschätzbar wertvolles Fachwissen verbunden mit den vielen kleinen Geschichten zu den Bessunger Familien.
Für Anna und August Dechert waren die Nachkriegsjahre geprägt vom Wiederaufbau des Stadtteils Bessungen und der Investition in das eigene Unternehmen. Dabei legten sie den Schwerpunkt auf den Aus- und Wiederaufbau der Chauffeurdienste, auf die Modernisierung der Tankstelle und dem Geschäftsbereich Fahrzeugpflege.
Das uniformierte Auftreten der Chauffeure und das einwandfreie Erscheinungsbild der Fahrzeuge sorgte in der Nachkriegszeit für große Bekanntheit unserer Dienstleistungen in Darmstadt und über Darmstadt hinaus.
Unser Großvater favorisierte die Fahrzeuge der Marke Opel wegen der besonderen Beziehung zu dem Werk in Rüsselsheim und der Freundschaft zu dem Autohaus Merzinsky in der Grafenstraße in Darmstadt.
Die Bestattungsfahrzeuge aus unserem Fuhrpark wurden Bestattungsunternehmen in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg für Überführungsfahrten zur Verfügung gestellt.
Unserem Großvater war es wichtig, dass die Fahrzeuge immer in einem tadellosen Zustand waren. Dadurch gehörte die tägliche Pflege der Fahrzeug zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags unserer Mitarbeiter. In dieser Zeit gehörte es zur Normalität, dass die Fahrzeuge per Hand gewaschen wurden und mit Ledertücher getrocknet wurden.
Nachdem eine Hebebühne auf dem Grundstück in der Ludwigshöhstraße 46 eingebaut wurde, konnte das Angebot um Fahrzeugwartung und Kleinstreparaturen erweitert werden. Hersteller der Hebebühne war die Firma Scheidt & Bachmann.
"Das Unternehmen wurde im Jahre 1872 durch den Kaufmann Friedrich Scheidt und den Ingenieur Carl Bachmann gegründet. In den ersten Jahren wurden Textilmaschinen, Transmissionen und kleine Dampfmaschinen hergestellt. Bereits drei Jahre nach der Gründung wurde die Produktion aufgrund der Expansion an Verkehrsmitteln auf mechanische Signaltechnikanlagen umgestellt, sodass der erste Geschäftsbereich entstand.
1896 erhielt das Unternehmen Scheidt & Bachmann sein erstes Patent für eine „Antriebsvorrichtung für Wegschranken“. Im Jahr 1914 wurde der Geschäftssitz auf ein größeres Werksgelände nach Rheydt, dem heutigen Stadtteil von Mönchengladbach, verlegt. 1932 nutzte Scheidt & Bachmann die günstige Marktlage und begann mit der Fertigung von Tankanlagen, wodurch ein weiterer Geschäftsbereich des Unternehmens entstand. Im Laufe der Jahre wurde das Sortiment für den Betrieb einer Tankstelle kontinuierlich ausgebaut." (www.scheidt-bachmann.de)
Unser Großeltern erwarben von der Familie Wittmann das angrenzte Grundstück Ludwigshöhstraße 48. Wie viele andere Grundstücke in Bessungen wurden diese landwirtschaftlich genutzt.
In Eigenhilfe und in Zusammenarbeit mit Bessunger Handwerker wurden die Gebäude renoviert und modernisiert. In der "Alten Scheune" wurde eine Lagerfläche mit Werkstatt eingerichtet. Zusätzlich wurde ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeitenden geschaffen.
Durch die zusätzlichen Lagerflächen wurden Öle und Schmierstoffe in das Sortiment der Tankstelle aufgenommen.
Nach Erweiterung des Grundstücks investierte August Dechert in Kooperation mit der NITAG in den Bau einer Tankstelle.
"Die NITAG war ein deutsches Mineralölunternehmen mit eigener Tankstellenkette, das von 1924 bis 1956 bestand. Der Hauptsitz war in Hamburg. Die NITAG ging 1956 in der Deutschen Gasolin-Nitag AG auf.
Der Firmensitz befand sich zuletzt in Hamburg-Rotherbaum am Mittelweg nahe der Moorweide. In diesen zog später die DEA/Deutsche Texaco ein." Quelle Wikipedia
