Bereits 1956 entschlossen sich unsere Großeltern das Thema Bestattung in der Gesamtheit anzubieten. Vorher war die Leistung auf den Bereich Überführung beschränkt. Während der "Wirtschaftswunderzeit" in den 1960er Jahren wurden die Geschäftsaktivitäten weiter ausgebaut und die Leistungen umfassten nun eine Tankstelle mit Fahrzeugwartung, Bereitstellung von Parkmöglichkeiten, Mietwagen und das Bestattungsunternehmen.
Neben dem Wohnhaus Ludwigshöhstraße 48 wurde eine Sargausstellung mit integrierter Werkstatt errichtet. In der Werkstatt wurden Sargmodelle mit Schnitzungen, Verzierungen, Innengestaltung und Griffbeschlägen individuell nach Kundewunsch veredelt.
Mit diesem Angebot der Individualisierung waren unsere Großeltern Ihrer Zeit voraus. Leider ist dieses Angebot heute nur schwer zu realisieren. Wir haben diesen Ansatz aber fest in unserer Planung und würden dies im Jahr 2027 gerne wieder in unser Angebot mit aufnehmen.
Unser Großmutter Anna Dechert und unsere Tante Wilhelmine Kraft waren für die Mietwagenfahrten verantwortlich. Wilhelmine blieb noch bis zur Coronakrise im Jahr 2020 im Unternehmen aktiv und war bis zu ihrem 87. Lebensjahr eine gute und wichtige Ratgeberin. Zudem konnte sie zu fast jedem unserer Kunden eine "kleine Geschichte" zu deren Familien erzählen.
Bereits 1956 wurden wir von den Opel-Werken für eine Fahrleistung von 500.000 Kilometer mit einem Fahrzeugmodell geehrt. Dies entspricht mehr als 12 Erdumrundungen mit einem Fahrzeug.
Im November 1964 durften wir die Bestattung von Heinrich von Brentano begleiten. Neben Konrad Adenauer gehörten eine Vielzahl von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu dem Kreis der Trauergäste in der Kirche St. Ludwig.
"Nach der Wiedererlangung der Souveränität und dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO wurde Heinrich von Brentano am 8. Juni 1955 als Bundesminister des Auswärtigen in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geleitete Bundesregierung berufen. Zuvor hatte Adenauer selbst das Auswärtige Amt geleitet. Brentano unterzeichnete im Oktober 1956 den Vertrag von Luxemburg zur Wiedereingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland. Er vertrat die Bundesrepublik auf der Genfer Außenministerkonferenz 1959, bei der Westdeutschland ebenso wie die Deutsche Demokratische Republik lediglich einen Beobachterstatus hatte.
Nachdem die FDP bei den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 1961 einen Staatssekretär im Auswärtigen Amt forderte, der dann dort als eine Art Aufsichtsinstanz fungieren sollte, erklärte Brentano am 30. Oktober 1961 rückwirkend zum 28. Oktober 1961 seinen Rücktritt. Am 30. Oktober 1961 unterzeichnete er in Bad Godesberg das Deutsch-Türkische Anwerbeabkommen. Es war eine seiner letzten Amtshandlungen.
51 Jahre nach der Bestatung von Großherzog Ernst-Ludwig von Hessen und bei Rhein verstarb dessen Sohn Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein. Die Bestattung des Großherzogs war für August Dechert der Auslöser, einen eigenen Bestattungswagen anzufertigen. 1968 organisierte DECHERT Bestattungen dann die Trauerfeier für den Prinzen.
"Prinz Ludwig wuchs gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Georg Donatus abwechselnd im Schloss Wolfsgarten und im Neuen Palais in Darmstadt auf.
Nach seinem Studium wurde der ausgebildete Kunsthistoriker Attaché an der deutschen Botschaft in London. In Oberbayern lernte Ludwig die viereinhalb Jahre jüngere Margaret Campbell Geddes kennen. Ludwig und Margaret entschlossen sich bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen zu heiraten. Nachdem die Hochzeit wegen des Todes von Ludwigs Vater, des 1918 abgesetzten Großherzogs Ernst Ludwig, auf den 20. November 1937 (Ludwigs 29. Geburtstag) verschoben worden war, kamen Ludwigs Mutter Eleonore, sein Bruder Georg Donatus, dessen Ehefrau Cäcilie und deren gemeinsame Kinder Ludwig und Alexander am 16. November bei einem Flugunfall in der Nähe von Ostende ums Leben, als die Gesellschaft zur Hochzeit nach London reisen wollte. Daraufhin trat Ludwig als letzter männlicher Nachkomme seiner Familie das Erbe des Hauses Hessen-Darmstadt gemeinsam mit Margaret an, die er in einer vorverlegten, stillen Trauungszeremonie am 17. November 1937 ehelichte.
Den Tod seiner Familie konnte Ludwig nie ganz verwinden – „Eine disziplinierte Schwermut zeichnete ihn aus.“ Nach Ende des Weltkriegs engagierte sich das Paar für den Wiederaufbau Darmstadts, für Kunst, Museen und karitative Einrichtungen, wie das Alice-Hospital, das Eleonorenheim und das Rote Kreuz. Ludwig war unter anderem auch Mitbegründer des Institut für Neue Technische Form, des Rates für Formgebung, des Bauhaus-Archivs, schuf die Neue Künstlerkolonie Rosenhöhe und gestaltete den deutschen Pavillon für die Expo 1958 in Brüssel mit.
Die Ehe von Ludwig und Margaret, die bei der hessischen Bevölkerung als sehr beliebt galten, blieb kinderlos. Beide hatten nach dem Tod von Georg Donatus das einzig überlebende Kind Johanna (* 1936) adoptiert, das jedoch schon 1939 an einer Hirnhautentzündung starb. Ludwig starb 1968 im Alter von 59 Jahren. Der Trauergottesdienst fand am 6. Juni 1968 in der Stadtkirche Darmstadt im Beisein des europäischen Hochadels statt. Ludwig liegt gemeinsam mit seiner Ehefrau Margaret (1913–1997) in einem schlichten Erdgrab auf der Rosenhöhe begraben, in unmittelbarer Nähe des Gemeinschaftsgrabes seiner Eltern und der verunglückten Familie seines Bruders.
Ludwig Prinz von Hessen adoptierte 1960 Moritz von Hessen-Kassel (1926–2013), in dessen Person die beiden seit 1567 getrennten Linien des Hauses Hessen sich schließlich wieder vereinigten." Quelle Wikipedia
Am 8. August 1973 erhielt unser Großvater die Ehrenurkunde für verdiene Bürger der Stadt Darmstadt. Er wirkte sein ganzes Leben über für sein Unternehmen und für die Entwicklung des Stadtteils Bessungen. Dies zeigte sich insbesondere in seinem Engagement für den Karnevalverein Bessungen. Damit stand der Wiederaufbau der Bessunger Turnhalle im Mittelpunkt. "Die Bessunger Turnhalle wurde im Zweiten Weltkrieg beim Luftangriff auf Darmstadt zerstört. Von 1949 bis 1953 erfolgte der Wiederaufbau nach dem Entwurf von Oberbaudirektor Peter Grund. Die Bauarbeiten erfolgten in mehreren Etappen und wurden von Mitgliedern der Bessunger Vereine, der TG 1865 Bessungen, dem Karnevalsverein 1905 und dem Gesangsverein Einigkeit mit Unterstützung der Stadtverwaltung durchgeführt. Die Einweihung fand am 14. November 1953 statt. Damit wurde die Halle nach dem Zweiten Weltkrieg zu der ersten funktionsfähigen Versammlungsstätte der Stadt. 1968 kamen öffentliche Dusch- und Wannenbäder hinein, da die Wohnungen in diesem Stadtteil oftmals nicht über eigene Bäder verfügten."
Der Karnevalverein Bessungen sah in ihm eine treibende Kraft und berief ihn in den Elferrat.
Der Karnevalverein Bessungen sah in unserem Großvater eine treibende Kraft in der Weiterentwicklung des Vereins. Eine Höhepunkt für unseren Großvater war der Auftritt von Joseph Offenbach anlässlich einer Prunksitzung.
"Eine der Paraderollen von Joseph Offenbach war der Datterich in dem gleichnamigen Mundartstück von Ernst Elias Niebergall.
In den 1950er Jahren erlangte er größere Bekanntheit als Filmschauspieler, unter anderem als SS-Mann in Des Teufels General (1955) und als devoter Schneidergehilfe in Der Hauptmann von Köpenick (1956). So spielte er den Leyendecker in Schinderhannes mit Curd Jürgens (1958).
In den 1960er Jahren avancierte er zu einem der populärsten Fernsehschauspieler Deutschlands als Vater Scholz in der Fernsehserie Die Unverbesserlichen (mit Inge Meysel, 1965–1971) sowie als Künstleragent Jacobsen in Salto Mortale (mit Gustav Knuth, 1969–1972). Joseph Offenbach, verheiratet mit Maria Eckerlein, starb am 15. Oktober 1971 im Alter von 66 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls und wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt beigesetzt (Grabstelle: I H 58)."
1973 verstarb unsere Großmutter bei einem tragischen Verkehrsunfall auf der Heidelberger Straße Ecke Bessunger Straße. Der zur Hilfe herbeigerufene Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Da die Unfallstelle nur wenige Meter von unserem Unternehmen entfernt war, brachten die Rettungskräfte unsere Großmutter, ohne den Bezug zu wissen, direkt in unser Bestattungsunternehmen. Für unsere Familie und unsere Mitarbeietnde war diese Situation eine der herausfordernde Ereignisse.
Ein Jahr später erlitt unser Großvater einen schweren Herzinfarkt und war ab diesem Zeitpunkt auf Pflegehilfe angewiesen. Er verstarb am 12. August 1978. Anna und August Dechert sind gemeinsam auf dem Bessunger Friedhof bestattet.
